Gesund ab Mund in die Offensive

Bundeszahnärztekammer startet bundesweite Kommunikationsoffensive

Die Corona-Krise hat Patient:innen stark verunsichert. Sollte man die Zahnarztpraxis nur in dringenden Fällen aufsuchen? Ist ein Vorsorgetermin jetzt notwendig? Steigt beim Zahnarztbesuch nicht die Gefahr einer Infektion? Auf diese und viele andere Fragen möchten und müssen wir als Bundeszahnärztekammer reagieren.
Ein Besuch beim Zahnarzt oder der Zahnärztin ist aufgrund der schon vor Corona strengen Hygienevorschriften in Zahnarztpraxen so sicher wie eh und je.
Und er bleibt so notwendig und sinnvoll wie vor der Corona-Krise. Denn Erkrankungen im Mundraum müssen so schnell wie möglich erkannt und behandelt werden. Oft geht es dabei nicht nur um die Zähne und die Gesundheit im Mundraum.

Mundgesundheit ist Lebensqualität

Mundgesundheit ist wichtig für unser Wohlbefinden und das beschränkt sich nicht auf den Mundraum. Sie stärkt auch das Immunsystem und kann unter anderem Herzkreislauf-, Nieren- und Lungenerkrankungen oder auch Diabetes vorbeugen. Viele Menschen wissen das nicht. Und genau das und noch einiges mehr wollen wir mit der aktuell gestarteten Kommunikationsoffensive ändern. Die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Bevölkerung in Sachen Gesundheitsschutz transparent und umfassend aufzuklären und gesellschaftliche Debatten mitzugestalten.

Verständlich, überraschend, digital

Unter dem Motto #GesundAbMund – Mit Ihren Zahnärzten rücken wir das Thema Prävention ebenso in den Fokus wie die Rolle der Zahnarztpraxen als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor.
Wie genau? Indem wir verständlich und eingängig kommunizieren, mit oft unbekannten Fakten überraschen und einen Blick in den Alltag der Praxen ermöglichen.

Hygiene first

Den Auftakt der bis 2022 angelegten Kommunikationsoffensive #GesundAbMund bildet aus gegebenem Anlass das Thema Hygiene. Denn hier besteht Aufklärungsbedarf. Schon vor dem Corona-Ausbruch haben Zahnarztpraxen laut einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte durchschnittlich rund 70.000 Euro pro Jahr in die Hygiene investiert – deutlich mehr als andere Ärzt:innen. Zahnärzt:innen tragen seit Jahren Schutzmasken und haben schon lange standardmäßige Hygienevorschriften, die denen während einer Pandemie stark ähneln. Wer sich über effektive Hygienemaßnahmen und Erfahrungen aus der Praxis informieren möchte, der ist bei den Zahnärzt:innen an der ersten und richtigen Adresse.

Partner und Ratgeber

Die Corona-Krise bleibt herausfordernd, auch für die über 70.000 Zahnmediziner:innen, eine der größten Arztgruppen in Deutschland. Die Kommunikationsoffensive #GesundAbMund unterstreicht, dass Zahnärzt:innen auch in der Corona-Krise verlässliche Partner der Patient:innen und der Politik sind, wenn es darum geht, kluge Lösungen zu entwickeln, um gut durch die Krise zu kommen. „Die Corona-Krise wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Die Zahnarztpraxen sind und bleiben ein sicherer Ort für die Patient:innen, dafür sorgen die Zahnärzt:innen und ihr qualifiziertes Personal. Und mit ihrem Praxiswissen stehen sie und ihre Standesvertreter:innen auch als Partner und Ratgeber für die Politik bereit, die in dieser Krise oft weitreichende Entscheidungen von großer gesundheitspolitischer Bedeutung treffen muss. Die Kommunikationsoffensive soll dazu wirkungsvolle Impulse geben“, erklärt Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer.

nach oben

Hätten Sie’s gewusst?

Wer hätte gedacht, dass in jedem menschlichen Mund rund 22 Millionen Bakterien siedeln? Viele von ihnen sind sogar nützlich, denn sie wehren Krankheitserreger ab und zersetzen Nährstoffe. Es gibt viele interessante, nützliche und mitunter kuriose Fakten aus der Welt der Zahnmedizin. Hier nur eine kleine Auswahl.

Außen hart und innen weich

Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Die Napfschnecke ist uns aber sogar noch um einiges voraus – ihre Zähne sind das festeste Biomaterial der ganzen Welt. Nur Fasern in kugelsicheren Westen können mit dieser Festigkeit mithalten.

Zähne härten gegen Karies

Karies ist eine der häufigsten Zahnkrankheiten. Eine Kariesentwicklung kann manchmal über Jahre verlaufen. Regelmäßiges Fluoridieren hilft, die Zähne zu härten und sie unempfindlicher gegen Kariesbakterien zu machen.

Eine Million mal lebenslang

Zahnärzte aus Deutschland setzen mehr als eine Million Zahnimplantate pro Jahr. Dabei kann ein Implantat durchaus so lange halten wie ein eigener Zahn.

Wenn’s im Rücken zwackt

Funktionsstörungen des Kiefergelenks können auch Nackenschmerzen mitauslösen. Muskuläre Probleme bei der Kieferbewegung, bei der auch die Halsmuskulatur beteiligt ist, können auch durch die Verordnung von Physiotherapie durch den Zahnarzt therapiert werden

Zweimal Mond und zurück

In Deutschland landen pro Jahr rund 410 Millionen Tuben Zahnpasta auf der Zahnbürste. Drückt man diese Tuben aus, entsteht eine Zahnpasta-Schlange, die zweimal bis zum Mond und zurück reichen würde.

Gut bestückt

Bei rund zwei Prozent aller Deutschen wachsen einfach zusätzliche Zähne im Mund auch über die vier möglichen Weisheitszähne hinaus.

Ein Herzensanliegen

Wer zweimal täglich die Zähne putzt, beugt einem Herzinfarktrisiko vor.

Knapp verfehlt

Jeder Deutsche benutzt pro Jahr durchschnittlich anderthalb Meter Zahnseide. Das sind gut 178,5 Meter weniger als empfohlen.

Zähneputzen stärkt die Manneskraft

Klingt abwegig, aber türkische Forscher haben herausgefunden, dass ein Zusammenhang zwischen entzündetem Zahnfleisch und erektiler Dysfunktion besteht. Ursache sind offenbar Durchblutungsstörungen infolge von Parodontitis. Also, liebe Herren: Zähneputzen nicht vergessen!

nach oben

3 Fragen an …

Ob Einblicke in den zahnärztlichen Berufsalltag, Hintergründe zu aktuellen Debatten oder die Vorstellung von innovativer Medizintechnik: Kurze Interviews geben Auskunft zu wichtigen und aktuellen Themen aus der Welt der Zahnmedizin.

Steigende Infektionszahlen und Deutschland erneut im Lockdown – was bedeutet das für die Zahnärzt:innen und deren Patient:innen?

Die wichtigste Botschaft lautet: Weder für unsere Patient:innen noch für die Teams in unseren Praxen bestehen erhöhte Infektionsrisiken, wenn die strengen Hygiene-Regeln eingehalten werden. Es hat seit Ausbruch der Pandemie keine nennenswerten Infektionszahlen im Umfeld zahnärztlicher Praxen und Kliniken gegeben. Es gibt also auch jetzt keinen Grund, den Zahnarzttermin zu verschieben. Mein Appell an die Patient:innen: Verschieben Sie notwendige Behandlungen nicht. Im Zweifelsfall kontaktieren sie Ihren Zahnarzt telefonisch. Nehmen sie den Zahnarzttermin nicht nur bei Beschwerden sondern auch zur Vorsorge wahr.

Prof. Dietmar Oesterreich - Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Mit steigenden Infektionszahlen erhöht sich auch das Risiko, dass Covid-19-infizierte Patient:innen in die Praxis kommen. Welche Maßnahmen werden in den Zahnarztpraxen ergriffen, um die Mitarbeiter und Patienten zu schützen?

Als Zahnarzt kommt man den Patient:innen aus offensichtlichen Gründen sehr nahe, deshalb galten in den Zahnarztpraxen schon immer sehr hohe Hygienestandards. Chirurgischer Mund- und Nasenschutz, Schutzbrille, Schutzhandschuhe – das war schon vor Corona bei jeder Behandlung die Standardausrüstung der Zahnärzt:innen und der Zahnmedizinischen Fachangestellten, weil zum Beispiel Virusinfektionen wie Masern und Hepatitis ähnliche Vorkehrungen erfordern. Wegen Corona wurden die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen noch mal erweitert und es wird zum Beispiel darauf geachtet, die Zahl der Patient:innen so zu begrenzen, dass die Abstände eingehalten werden können. Im Zentrum steht für uns immer das Patientenwohl. Deshalb ergreifen wir alle notwendigen Maßnahmen, um Patient:innen und Personal zu schützen.

Prof. Dietmar Oesterreich - Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Wäre es nicht sinnvoller, die Zahnarztpraxen würden während des Lockdowns nur Notfälle behandeln?

Auf keinen Fall. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass nur die Behandlung von akuten Notfällen notwendig ist. Es gibt Erkrankungen, die zwar nicht immer akute Probleme bereiten, deren Behandlung aber nicht unterbrochen werden darf. Es gilt auch während der Pandemie, Erkrankungen durch Vorsorge zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen, Beschwerden des Patienten zu lindern oder die Verschlimmerung einer bestehenden Erkrankung auszuschließen.

Wichtig: Zahnmedizinische Behandlung dienen nicht nur der Mundgesundheit, sondern auch der allgemeinen Gesundheit. Eine gute Mundgesundheit stärkt die Immunabwehr des Körpers.
Aus guten Gründen entscheidet die behandelnde Zahnärztin oder der behandelnde Zahnarzt, welche zahnmedizinische Behandlung notwendig ist. Es wäre auch das völlig falsche Signal, wenn Ärzte mitten in einer schweren Gesundheitskrise nicht mehr für ihre Patienten da wären, egal ob Zahnarzt, Hausarzt oder Augenarzt. Die gesamte wissenschaftlich begründete Zahnmedizin ist essentielle Heilbehandlung und damit elementarer Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung.

Prof. Dietmar Oesterreich - Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Die Bundeszahnärzte­kammer startet im September 2020 bundesweit eine Kommunikations­offensive. Was sind deren Ziele?

Mit der Kommunikationsoffensive #GesundAbMund wollen wir den Menschen die Arbeit von Zahnärzten und die Bedeutung der Mundgesundheit näherbringen, indem wir informieren, aufklären und Unsicherheiten ausräumen. Ob Prävention oder Hygiene – vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wichtig die Mundgesundheit für das allgemeine Wohlbefinden ist, zum Beispiel zur Vorbeugung von Herzkreislauf-, Nieren- und Lungenerkrankungen. Und die Hygienestandards in Zahnartpraxen waren schon vor Corona fast so hoch wie jetzt in der Pandemie, weil die Zahnärzt:innen aus naheliegenden Gründen dem Mundraum der Patient:innen sehr nahe kommen. Auch vor Corona gab es zahlreiche Erkrankungen wie Hepatitis oder Masern, vor denen man sich und die Patienten schützen musste. Wir wollen gerade zu Beginn der Kommunikationsoffensive das Thema Hygiene in den Fokus rücken. Denn hier besteht Aufklärungsbedarf.

Dr. Peter Engel – Präsident der Bundeszahnärztekammer

Inwiefern? Was tun Zahnärzte denn in Sachen Hygiene – vor allem in Zeiten von Covid-19?

In Zahnarztpraxen existieren die wegen Corona erforderlichen hohen Hygienestandards schon lange. Zahnärzt:innen arbeiten immer mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzbrille. Grund dafür sind die strengen, vom Robert-Koch-Institut (RKI) vorgegebenen Hygienevorschriften für Zahnarztpraxen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es neben Covid-19 noch weitere ansteckende Krankheiten gibt wie zum Beispiel Masern oder Hepatitis und dass regelmäßig potentiell infektiöse Patienten in die Praxen kommen. Diese hohen Hygienestandards sind aber kostspielig und Zahnärzt:innen investieren seit Jahren deutlich mehr in Hygienemaßnahmen als es andere Ärzt:innen müssen. Mit der Kommunikationsoffensive wollen wir den Patient:innen auch die Sorge um das Infektionsrisiko nehmen und sie über die hohen Hygienestandards in Zahnarztpraxen informieren.

Dr. Peter Engel – Präsident der Bundeszahnärztekammer

Einzelne Medien berichteten, die WHO hätte kürzlich für weltweit 193 Staaten empfohlen, nicht dringende Zahnarztbesuche wegen Corona zu verschieben. Die WHO hat dies dann korrigiert und auf ein Missverständnis verwiesen. Was war das Problem?

Durch eine fehlerhafte Übersetzung und nachfolgend irreführende Berichterstattung ist leider viel Verunsicherung entstanden. Sorgen, die gerade für Deutschland unbegründet sind. Unsere Hygienestandards sind besonders hoch und das Infektionsrisiko gering. Die WHO empfahl die Verschiebung von Zahnarztbesuchen nur in unkontrollierten Übertragungsszenarien, wie sie derzeit in einigen nichteuropäischen Ländern stattfinden. Das ist hierzulande nicht der Fall. Zudem gelten die offiziellen gesundheitspolitischen Empfehlungen auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene. Das heißt: Zahnarztbesuche sind für Patient:innen in Deutschland nach wie vor sicher. Die generell strengeren Hygienevorschriften in der Zahnmedizin im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen bieten ein hohes Schutzniveau auch unter Corona-Bedingungen. Zudem wurden zum Schutz von Patient:innen und Praxisteam die üblichen Vorkehrungen sogar noch aufgestockt. Die Kommunikationsoffensive informiert hierzu und wirkt so den unbegründeten Bedenken aktiv entgegen.

Dr. Peter Engel – Präsident der Bundeszahnärztekammer

nach oben

Der Zahn der Zeit

Pharaonen, Präsidenten, Zahnwürmer: Wenn man tief in der Geschichte der Zahnmedizin bohrt, kann man überraschende Details, unglaubliche Tatsachen sowie spannende und mitunter lehrreiche Geschichten entdecken.

Der Zahnwurm ist schuld

Tausende von Jahren bis ins 19. Jahrhundert hielt sich der Mythos, ein Zahnwurm sei die Ursache für Karies und Zahnschmerzen. Als böser Geist und Dämon ernähre er sich von Zahnblut oder trete in „verdorbenen“ Körpersäften wie dem Speichel aus. Die Wissenschaft zerstörte schließlich den Glauben an den Zahnwurm und fand bessere Antworten auf die Kariesfrage.

Die Kelten haben es vorgemacht

Nahe Paris, in Le Chêne, entdeckten Archäologen ein 2.300 Jahre altes Keltengrab – und darin womöglich das früheste bekannte Zahnimplantat. Das im Grab liegende Frauenskelett hatte im Mund einen Eisenstift – offenbar der Zahnersatz für einen fehlenden Frontzahn im ansonsten vollständigen Gebiss. Ob das Implantat vor oder nach dem Tod eingesetzt wurde, war nicht mehr feststellbar. Nur 130 Kilometer weiter fand man in einem etwa 1.900 Jahre alten Grab einen jungen Kelten mit einem vergleichbaren Eisenimplantat, das fest in den Kieferknochen eingewachsen war. Damit ist sicher: Schon die Kelten kannten und nutzten festen Zahnersatz.

Von Stars und Steinchen

Nachdem sich Mick Jagger einen Rubin in seinen Schneidezahn einsetzen ließ, fragten ihn Freunde wiederholt, ob er an Zahnfleischbluten leide. Kurzerhand wurde der Rubin durch einen Smaragd getauscht. Doch jetzt wies man ihn dezent auf den Salat in seinen Zähnen hin. Der Smaragd wich schließlich einem farblich neutralen Diamanten – der nun im rechten Licht nur kurz aufblitzt.

Zähneputzen als Frauensache

Im Mittelalter wurde der Zahnschmerz als gottgewollte Prüfung angesehen. Griffen Männer zur Zahnbürste, galt das noch im 18. Jahrhundert als dekadent. Zähneputzen war bis zum 19. Jahrhundert reine Frauensache. Erst danach fand die Zahnhygiene ihren festen Platz in der Körperpflege beider Geschlechter.

Begründer der modernen Zahnmedizin

In Frankreich wurde Zahnmedizin schon im 17. Jahrhundert als gleichwertiges Gebiet der Chirurgie anerkannt. Pierre Fauchard (1678–1761) gilt als Urheber der modernen Zahnmedizin, seine Theorien waren in der Zahnheilkunde eine Innovation. Er lehnte den Aberglauben an den Zahnwurm ab und entwickelte neue Ansätze zur Zahnhygiene und für Behandlungsmethoden. Von ihm stammt auch die Idee, Zahnfehlstellungen durch fixierte Drähte zu richten: die Geburt der Zahnspange.

Erste Narkose

Die erste Äthernarkose wurde im Jahr 1846 in Boston durchgeführt. Für die Zahnmedizin war es ein großer Fortschritt, dass die Zahnärzte endlich in Ruhe arbeiten konnten und die Patienten öfter freiwillig kamen.

Totenkult als Geburtsstunde für Zahnersatz

Die Ägypter waren der heutigen westlichen Zivilisation weit voraus und es verwundert nicht, dass der erste genannte Zahnarzt von dort stammt. Auch der erste historisch nachgewiesene Zahnersatz wurde vor rund 4.500 Jahren im alten Ägypten hergestellt, allerdings nicht für die Münder der Lebenden, sondern für die der verstorbenen Pharaonen. Damit die mit lückenlosem Gebiss ihre Reise ins Totenreich antreten konnten, wurden eventuelle Zahnlücken vor der Beisetzung mit Zähnen lebender Spender – meist Sklaven – versorgt.

Präsident mit Zahnproblemen

US-Präsident George Washington hatte zeitlebens große Zahnprobleme. Es gibt kein einziges Bild, das ihn lachend zeigt. Irgendwann hatte er nur noch einen Zahn im Mund sowie verschiedene Prothesen aus Elfenbein, Nilpferdstoßzahn, Zähnen von Rindern oder Pferden sowie Menschenzähnen. Für Portraitmalereien wurde sein Mund oft mit Taschentüchern ausgestopft, um eingefallenen Wangen und Lippen zu kaschieren.

Schwarze Zähne vom weißen Zucker

Mit den Kreuzfahrern kam im 12. Jahrhundert erstmals der Zucker aus dem Orient nach Europa und sorgte dafür, dass Karies erblühte. Da sich zunächst nur Wohlhabende das weiße Gold leisten konnten, grassierte unter ihnen bald die sogenannte Zahnfäule. Eine Weile galten schwarze statt weißer Zähne sogar als Statussymbol. Verarmte Adlige oder bankrotte Kaufleute färbten sich die Zähne, um zu verbergen, dass sie sich Zucker nicht mehr leisten konnten.

Der längste Zahn der Welt

Katharina die Große bevorzugte besonders leistungsfähige Männer. Da man damals glaubte, dass Männer mit langen Zähnen auch über die stärkste Manneskraft verfügten, wurde die Suche entsprechend eingegrenzt. Man fand den Bauern Grigorij, dessen Zähne 55 mm lang gewesen sein sollen. Man brachte ihn in die kaiserlichen Gemächer. Was dort geschah, ist ebenso wenig überliefert wie Grigorijs Verbleib.

Zahnersatz industriell gefertigt

Um 1820 herum entstand der erste Zahnersatz aus Porzellan, ab 1851 wurde auch Kautschuk verwendet. Damit entwickelten Zahntechniker und Zahnärzte erstmals bezahlbaren und passenden Zahnersatz, der nicht nur schön aussah, sondern auch dem Kauen standhielt. Weil die neuen Zahnersatzmaterialien mehr taugten, wurden menschliche Zähne als Ersatzmöglichkeit immer seltener und schließlich gar nicht mehr verwendet.

nach oben

Aus der Praxis

Checklisten, Erfahrungsberichte, Trendbarometer: Hier gibt es wichtige Informationen aus der Praxis – von der Digitalisierung der Zahnbehandlung über die Kosten der Hygienemaßnahmen bis zum sozialen Engagement der Zahnärzteschaft.

Der Tag der Zahngesundheit ist am

25.09.2020

Der Tag der Zahngesundheit

Was man bei der Zahnpflege beachten muss, wie ein gesunder Mundraum den gesamten Körper beeinflusst und warum ein Zahnarztbesuch auch in Corona-Zeiten sicher ist, erklärt Prof. Dietmar Oesterreich von der Bundeszahnärztekammer in einem SWR-Interview zum Tag der Zahngesundheit.

Hygiene kostet

rund 70.000 Euro

Hygiene kostet

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) haben Zahnarztpraxen schon vor Covid-19 rund 70.000 Euro für Hygienemaßnahmen jährlich pro Praxis ausgegeben – andere Ärzt:innen müssen weniger investieren. Seit 1996 sind bei Zahnärzt:innen die jährlichen Kosten von 28.000 Euro auf rund 65.000 Euro (2016) gestiegen. Mit der Corona-Krise und der erhöhten Nachfrage nach Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln haben sich die Ausgaben nun abermals erhöht, weil sich zum Beispiel die Preise für den Mund-Nasen-Schutz verdreifacht haben.

Immer mehr Zahnärztinnen

zwei von drei

Immer mehr Zahnärztinnen

Fast zwei von drei Absolventen des Zahnmedizinstudiums sind weiblich. Dies ergab eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2019. Zudem war der Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) für weibliche Ausbildungsanfängerinnen ohne deutsche Staatsbürgerschaft 2018 der beliebteste: 17,4 Prozent der jungen Frauen entschieden sich für diese Ausbildung.

Mehr Präzision dank digitalem Support

3D

Mehr Präzision dank digitalem Support

Ob eine 3D-Röntgenanlage oder der Einsatz von digitaler Herstellung von Kronen: Es gibt heute viele neue Technologien, die den klassischen Medizinberuf verändern und dem Patienten zu Gute kommen. Zahntechnische Leistungen werden von Schleifmaschinen erledigt. Die digitale Abformung auch bei der Implantatversorgung ergibt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Mit einer 3D-Diagnostik von Kiefer und Zähnen lassen sich Operationen heute virtuell vorplanen und eine zielgenaue Implantation ermöglichen. Das alles steigert den Komfort für Patient:innen. Ängste vorm Zahnarztbesuch nehmen und Vertrauen in die nächsten Behandlungsschritte schaffen – das gelingt meistens nur den Zahnärzt:innen selbst: Denn Empathie, Kommunikationsvermögen und emotionale Kompetenz gehören auch in Zeiten des technologischen Wandels zu den wichtigsten Fähigkeiten eines guten Arztes und einer guten Ärztin.

Zahnmedizinische Grundversorgung für alle

27

Zahnmedizinische Grundversorgung für alle

Gesunde Zähne und ein intaktes Gebiss sind für viele eine Selbstverständlichkeit. Für Menschen, die auf der Straße leben oder die keine Krankenversicherung haben, jedoch nicht. Damit auch sie zahnmedizinisch versorgt werden, gibt es bundesweit 27 geförderte und von den Landeszahnärztekammern unterstützte gemeinnützige Projekte, wie zum Beispiel das Zahnmobil Hannover oder die erste Obdachlosen-Zahnarztpraxis am Ostbahnhof in Berlin. Zudem hat die Bundeszahnärztekammer die Schirmherrschaft für die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte, die sich um die Versorgung von Bedürftigen in Krisengebieten weltweit kümmert.

Die 10 wichtigsten Hygiene-Tipps
empfohlen von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – und von Ihren Zahnärzten

1.

Regelmäßig Hände waschen

Wenn Sie nach Hause kommen
vor und während der Zubereitung von Speisen
vor den Mahlzeiten
nach dem Besuch der Toilette
nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen
vor und nach dem Kontakt mit Erkrankten
nach dem Kontakt mit Tieren.

2.

Hände gründlich waschen

Hände unter fließendes Wasser halten
Hände von allen Seiten mit Seife einreiben
20 bis 30 Sekunden Zeit lassen
Hände unter fließendem Wasser abwaschen
mit einem sauberen Tuch trocknenn Fenstern.

3.

Hände aus dem Gesicht fernhalten

Vermeiden Sie es, mit ungewaschenen Händen Mund, Augen oder Nase zu berühren.

4.

Richtig husten und niesen

Husten und niesen Sie am besten in ein Taschentuch oder halten die Armbeuge vor Mund und Nase. Halten Sie dabei Abstand von anderen Personen und drehen Sie sich weg.

5.

Im Krankheitsfall Abstand halten

Kurieren Sie sich zu Hause aus. Verzichten Sie auf enge Körperkontakte. Bei hohem Ansteckungsrisiko für andere kann es sinnvoll sein, sich in einem separaten Raum aufzuhalten oder eine getrennte Toilette zu benutzen. Verwenden Sie persönliche Gegenstände wie Handtücher oder Trinkgläser nicht gemeinsam.

6.

Wunden schützen

Decken Sie Verletzungen und Wunden mit einem Pflaster oder Verband ab.

7.

Auf ein sauberes Zuhause achten

Reinigen Sie insbesondere Bad und Küche regelmäßig mit üblichen Haushaltsreinigern. Lassen Sie Putzlappen nach Gebrauch gut trocknen und wechseln sie häufig aus.

8.

Lebensmittel hygienisch behandeln

Bewahren Sie empfindliche Nahrungsmittel stets gut gekühlt auf. Vermeiden Sie den Kontakt von rohen Tierprodukten mit roh verzehrten Lebensmitteln. Erhitzen Sie Fleisch auf mindestens 70°C. Waschen Sie rohes Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich ab.

9.

Geschirr und Wäsche heiß waschen

Reinigen Sie Küchenutensilien mit warmem Wasser und Spülmittel oder in der Maschine bei mindestens 60°C. Waschen Sie Spüllappen und Putztücher sowie Handtücher, Bettwäsche und Unterwäsche bei mindestens 60°C.

10.

Regelmäßig lüften

Lüften Sie geschlossene Räume mehrmals täglich für einige Minuten mit weit geöffneten Fenstern.

nach oben