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Hätten Sie’s gewusst?

Wer hätte gedacht, dass in jedem menschlichen Mund rund 22 Millionen Bakterien siedeln? Viele von ihnen sind sogar nützlich, denn sie wehren Krankheitserreger ab und zersetzen Nährstoffe. Es gibt viele interessante, nützliche und mitunter kuriose Fakten aus der Welt der Zahnmedizin. Hier nur eine kleine Auswahl.

Außen hart und innen weich

Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Die Napfschnecke ist uns aber sogar noch um einiges voraus – ihre Zähne sind das festeste Biomaterial der ganzen Welt. Nur Fasern in kugelsicheren Westen können mit dieser Festigkeit mithalten.

Zähne härten gegen Karies

Karies ist eine der häufigsten Zahnkrankheiten. Eine Kariesentwicklung kann manchmal über Jahre verlaufen. Regelmäßiges Fluoridieren hilft, die Zähne zu härten und sie unempfindlicher gegen Kariesbakterien zu machen.

Eine Million mal lebenslang

Zahnärzt:innen aus Deutschland setzen mehr als eine Million Zahnimplantate pro Jahr. Dabei kann ein Implantat durchaus so lange halten wie ein eigener Zahn.

Wenn’s im Rücken zwackt

Funktionsstörungen des Kiefergelenks können auch Nackenschmerzen mitauslösen. Muskuläre Probleme bei der Kieferbewegung, bei der auch die Halsmuskulatur beteiligt ist, können auch durch die Verordnung von Physiotherapie durch Zahnärzt:innen therapiert werden

Ein Herzensanliegen

Wer zweimal täglich die Zähne putzt, beugt einem Herzinfarktrisiko vor.

Wenn’s im Rücken zwackt

Funktionsstörungen des Kiefergelenks können auch Nackenschmerzen mitauslösen. Muskuläre Probleme bei der Kieferbewegung, bei der auch die Halsmuskulatur beteiligt ist, können auch durch die Verordnung von Physiotherapie durch Zahnärztinnen und Zahnärzte therapiert werden.

Zweimal Mond und zurück

In Deutschland landen pro Jahr rund 410 Millionen Tuben Zahnpasta auf der Zahnbürste. Drückt man diese Tuben aus, entsteht eine Zahnpasta-Schlange, die zweimal bis zum Mond und zurück reichen würde.

Gut bestückt

Bei rund zwei Prozent aller Deutschen wachsen einfach zusätzliche Zähne im Mund auch über die vier möglichen Weisheitszähne hinaus.

Knapp verfehlt

Jede:r Deutsche benutzt pro Jahr durchschnittlich anderthalb Meter Zahnseide. Das sind gut 178,5 Meter weniger als empfohlen.

Zähneputzen stärkt die Manneskraft

Klingt abwegig, aber türkische Forscher haben herausgefunden, dass ein Zusammenhang zwischen entzündetem Zahnfleisch und erektiler Dysfunktion besteht. Ursache sind offenbar Durchblutungsstörungen infolge von Parodontitis. Also, liebe Herren: Zähneputzen nicht vergessen!

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3 Fragen an …

Ob Einblicke in den zahnärztlichen Berufsalltag, Hintergründe zu aktuellen Debatten oder die Vorstellung von innovativer Medizintechnik: Kurze Interviews geben Auskunft zu wichtigen und aktuellen Themen aus der Welt der Zahnmedizin.

Was macht eine Zahnmedizinische Fachangestellte bzw. ein Zahnmedizinischer Fachangestellter (ZFA)?

Der Ausbildungsberuf der ZFA wird immer interessanter, digitaler und vielseitiger. Als ZFA ist man zum Beispiel in einer Zahnarztpraxis oder Zahnklinik tätig, im öffentlichen Gesundheitswesen oder einem Abrechnungszentrum.
Das Berufsbild hat viele Facetten: Im Praxisalltag assistieren ZFA den Zahnärztinnen und Zahnärzten bei den Untersuchungen und Behandlungen, sie unterstützen bei der Prophylaxe, Röntgenuntersuchungen und der Hygienekette und übernehmen die Leistungseingabe und Dokumentation. Außerdem empfangen und betreuen sie die Patientinnen und Patienten und organisieren die Praxisabläufe – ein gewisses Organisationstalent ist hilfreich, wenn man sich für diesen verantwortungsvollen Beruf entscheidet.

Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida – Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Aus- und Fortbildung ZFA und Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen

Wie ist die tägliche Arbeit organisiert? Worauf kommt es an?

In den rund 50.000 Zahnarztpraxen in Deutschland arbeiten ca. 224.000 ZFA. Vertrauen und Teamarbeit sind wichtig in einer Zahnarztpraxis. Die Arbeitsabläufe müssen klar sein, alle müssen sich aufeinander verlassen können. Die Bundeszahnärztekammer hat in einer repräsentativen Umfrage die Bürgerinnen und Bürger gefragt, worauf es ihnen beim Zahnarztbesuch ankommt. Das Ergebnis: Die Patientinnen und Patienten legen großen Wert auf die Kompetenz des gesamten Personals und die Einhaltung hoher Hygienestandards, aber auch auf Freundlichkeit und gute Praxisorganisation. Das ist die Grundlage für ein enges Vertrauensverhältnis zwischen der Patientin oder dem Patienten und dem Behandlungsteam, ohne das ein nachhaltiger Behandlungserfolg nicht möglich ist.

Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida – Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Aus- und Fortbildung ZFA und Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen

Hat der Beruf ZFA Zukunft?

Auf jeden Fall! Der Beruf der ZFA hat eine sehr gute Zukunft und kann meistens auch wohnortnah ausgeübt werden, was natürlich ein großer Vorteil für die Beschäftigten ist. Neben einer guten Ausbildung spielen Fortbildungen eine wichtige Rolle, denn gut ausgebildetes Fachpersonal ist aus der modernen Zahnheilkunde nicht mehr wegzudenken. Technische Innovationen und neue Verfahren in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sind nur zwei Gründe, für die sich regelmäßige Weiterbildungen lohnen. Es gibt auch die Möglichkeit zusätzliche Qualifikationen zu erlangen, zum Beispiel als Dentalhygienikerin oder Dentalhygieniker oder als Verwaltungsfachkraft. So können die ZFA ihre Fertigkeiten und das Arbeitsgebiet ausweiten und vertiefen.

Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida – Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Aus- und Fortbildung ZFA und Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen

Konstantin von Laffert – Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Hamburg

Für Aligner (individuell gefertigte Kunststoffschienen zur Behandlung von Zahnfehlstellungen) gibt es gerade massiv Werbung in den Medien, vor allem für online bestellte. Das war im Mai sogar Gegenstand einer Bundestagsanhörung. Warum?

Eine Behandlung mit Alignern ist keine Kosmetik, sondern eine zahnmedizinische Behandlung, die gut geplant und begleitet sein will. Bei der kieferorthopädischen Bewegung von Zähnen oder ganzen Zahngruppen wirken Kräfte dauerhaft auf die Zähne und den gesamten Zahnhalteapparat, die eine permanenten Kontrolle eines Zahnarztes oder Kieferorthopäden brauchen, um Komplikationen auszuschließen. Das muss jedem klar sein, der aufgrund der hübschen Bilder in den Medien online mal eben Schienen bestellt. Man darf dieses Thema nicht einfach unkontrolliert laufen lassen, denn es kann einiges schiefgehen. In vielen Praxen stellen sich in letzter Zeit Patientinnen und Patienten vor, die mit den Ergebnissen ihrer sogenannten Onlinebehandlung alles andere als glücklich sind. Wenn man zum Beispiel versucht, ein Implantat zu verschieben, das man bekanntlich nicht verschieben kann, hat das meist nicht nur optisch unschöne, sondern gesundheitlich relevante Folgen. Ebenso sollte man einen durch eine Parodontalerkrankung vorgeschädigten Zahn mit äußerster Vorsicht oder manchmal lieber gar nicht bewegen.

In der Hand eines Kieferorthopäden oder einer Zahnärztin sind die Aligner eine sehr gute Therapieoption, zur Fernbehandlung sind sie meiner Meinung nach ungeeignet. Denn eine solide Diagnostik mit Röntgenbildern, Zahnfleischbefundung und Implantatdiagnostik ist essenzielle Voraussetzung für eine gelungene Behandlung.

Konstantin von Laffert – Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Hamburg

Ausländische Finanzinvestoren versuchen zunehmend, auf dem deutschen Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen, z.B. in der Augenheilkunde, auch in der Zahnmedizin. Die Bundeszahnärztekammer sieht diese Entwicklung mit großer Sorge. Warum?

Die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland ist auf weltweitem Spitzenniveau und nun wollen Fonds und Investoren groß in die Zahnmedizin einsteigen. Zahnmedizin ist aber keine Fabrikware, sondern eher vergleichbar mit einer Manufaktur. Wir betreiben kein Gewerbe, sondern versuchen tagtäglich, die kleinen und großen zahnmedizinischen Probleme unserer Patientinnen und Patienten zu lösen. Die großen Investoren hingegen schauen in erster Linie auf die Rendite, die ihre Auftraggeber von ihnen erwarten.

Diesen Trend wollen wir unbedingt stoppen, zum Schutz der Patientinnen und Patienten. Es kann nicht richtig sein, dass junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die bei diesen Investoren angestellt sind, in regelmäßigen Umsatzgesprächen dazu gedrängt werden, den Patientinnen und Patienten mehr zahnmedizinische Leistungen zu verkaufen. Wir sind Mediziner, keine Vertriebsmitarbeiter. Dieses offensive „Verkaufen“ widerspricht auch dem Eid des Hippokrates, den wir alle mal geschworen haben.

Konstantin von Laffert – Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Hamburg

Zucker und die Folgen seines Konsums sind für Sie ein Herzensthema. Wie ist es dazu gekommen und ist Zucker wirklich der große Feind für die Gesundheit?

Dazu kam es vor allem durch meine Kinder. Da schaut man genauer auf die Inhaltsstoffe und dann nervt es einfach, dass im Joghurt schon mal 13 Prozent Zucker drin sind und im Ketchup noch mehr. Dieser versteckte Zucker ist das Problem, denn große Mengen nehmen wir auf diesem Wege zu uns. Wenn ich ein Stück Schokolade esse, ist mir klar, was ich da tue. Bei Tiefkühlpizza oder als gesund geltendem Müsli erwarte ich aber nicht so viel Zucker.

Zucker ist nicht nur der natürliche Feind gesunder Zähne, er kann auch unseren Stoffwechsel negativ beeinflussen und verursacht diverse Volkskrankheiten wie Diabetes sowie Herz- und Kreislaufprobleme. Wir müssen der Politik deutlich machen, dass die bisherigen freiwilligen Regelungen für die Nahrungsmittelindustrie zur Zuckerreduktion nicht ausreichen. Unsere Kinder sollten nicht mit den heute gängigen überzuckerten Lebensmitteln aufwachsen, denn es ist schwer, von diesem Zuckerpegel später wieder runterzukommen.

Die Bundeszahnärztekammer hat in einer repräsentativen forsa-Umfrage die Bürger:innen zu ihrem Hygiene-Verhalten befragt. Was sind die wichtigsten Ergebnisse dieses Hygiene-Checks?

Das wichtigste zuerst: Die Hygiene-Disziplin in Deutschland ist wegen der Pandemie sehr hoch. Die Hygiene-Vorgaben der Behörden werden weitestgehend eingehalten und das gilt vor allem für die sogenannten AHA-Regeln, also Maske tragen, Abstand halten und regelmäßiges Händewaschen. Alle drei Vorgaben werden von über 90 Prozent der Befragten entweder immer oder meistens befolgt – das ist ein starkes Ergebnis. Beim Lüften und Nicht-ins-Gesicht-fassen lässt die Disziplin etwas nach: Die Vorgaben werden zwar von über 80 bzw. fast 70 Prozent eingehalten, aber nicht immer, sondern meistens. Interessant sind auch die Zukunftsprognosen: Immerhin drei Viertel der Deutschen gehen davon aus, dass sie die erhöhten Hygienestandards auch beibehalten werden, wenn die Pandemie vorbei ist. Die Pandemie könnte unser Hygiene-Verhalten also dauerhaft beeinflussen.

Prof. Dietmar Oesterreich - Vorstandsmitglied der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Gibt es demografische Faktoren, die das Hygieneverhalten beeinflussen, zum Beispiel das Alter oder das Geschlecht?

Es gibt einige Unterschiede, nicht alle gesellschaftlichen Gruppen beherzigen die Hygienemaßnahmen gleichermaßen. Während etwa zwei Drittel der Frauen regelmäßig und gründlich die Hände waschen, ist es bei den Männern lediglich knapp die Hälfte. Auch das Alter spielt eine Rolle: 84 Prozent der Befragten über 60 tragen immer eine Maske, wenn es erforderlich ist, bei den 18-29jährigen sind es nur 65 Prozent – angesichts der unterschiedlichen Risikolagen der Altersgruppen überrascht dieses Ergebnis nicht. Ein wichtiger Befund: Nicht alle Bevölkerungsgruppen sind auf demselben Informationsstand. Arbeiter fühlen sich zum Beispiel deutlich seltener sehr gut informiert als Angestellte, Beamte oder Selbständige. Die Corona-Aufklärung muss im Ergebnis stärker zielgruppenspezifisch erfolgen.

Prof. Dietmar Oesterreich - Vorstandsmitglied der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Die Hygienestandards in den Zahnarztpraxen waren schon vor der Pandemie sehr hoch und wurden noch mal verstärkt wegen Corona. Wie reagieren Ihre Patient:innen auf die Pandemie und die möglichen Risiken?

Die Patient:innen haben nicht nur zu Recht hohe Erwartungen an die Hygiene, sondern beobachten dies auch in Arzt- und Zahnpraxen. Für 65 Prozent der Befragten sind hohe Hygienestandards in Arztpraxen sehr wichtig, bei Zahnarztpraxen sind es sogar 77 Prozent. Nur die Kompetenz des medizinischen Personals ist ihnen wichtiger als die Hygiene, Wartezeiten zum Beispiel spielen eine geringere Rolle. Was die Zahnärzteschaft freut: Das größte Vertrauen in Sachen Hygiene genießen die niedergelassenen Zahn- und Hausärzte. 88 Prozent der Befragten haben die Erfahrung gemacht, dass in Zahnarztpraxen besondere Hygiene-Vorkehrungen getroffen werden. Zum Vergleich: Besonderen Hygiene-Vorkehrungen in Krankenhäusern beobachten 65 Prozent der Befragten. Eine weitere gute Nachricht: Trotz der allgemeinen Verunsicherung durch die Pandemie haben nur 16 Prozent der Patient:innen einen Zahnarzttermin abgesagt oder verschoben. Das sollten sie auch nicht tun. Die Praxen sind sicher, das zeigen Auswertungen zum Infektionsgeschehen. Wer einen Zahnarzttermin hat und infektfrei ist, sollte diesen wahrnehmen, erst recht bei chronischen Erkrankungen. Und auch die Vorsorge sollte man auf keinen Fall vernachlässigen.

Prof. Dietmar Oesterreich - Vorstandsmitglied der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

Prof. Christoph Benz - Präsident der Bundeszahnärztekammer

Jährlich erkranken in Deutschland 400.000 – 600.000 Patienten an Krankenhausinfektionen, etwa 10.000 bis 15.000 Menschen sterben laut aktuellen Schätzungen an den Infektionen. Aber erst Corona hat dazu geführt, dass sich die breite Öffentlichkeit mit dem Thema Hygiene beschäftigt. Woran könnte das liegen? Haben wir das Thema verschlafen?

Deutschland steht bei der Häufigkeit von Krankenhausinfektionen nicht gut da: nicht mal im europäischen Mittelfeld. Das ist schwer verständlich, wenn man weiß, mit welchem Aufwand Hygiene betrieben wird. Aus meiner Sicht beschränkt sich dieser Aufwand aber leider oft nur auf technische Parameter, die inzwischen Grundlage einer überbordenden Prüfbürokratie geworden sind. Viel wichtiger ist es jedoch, die Hygiene-Basics in der Ausbildung zu alltäglichem, routinemäßigem Handeln zu machen. Über diesen „Hygiene-Drill“ kann jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt leidvoll aus dem eigenen Studium berichten. Wer Hygiene nur theoretisch vermitteln möchte, wird scheitern. Hygiene muss sich im alltäglichen Umgang und vor allem in Coronazeiten in der ärztlichen Praxis bewähren.

Prof. Christoph Benz - Präsident der Bundeszahnärztekammer

Abstand halten, ständiges Händewaschen, Desinfektionsmittel an jeder Ecke – und Händeschütteln wirkt inzwischen geradezu befremdlich. Welche dieser Hygienemaßnahmen sollten wir bewahren, auch wenn die Corona-Krise vorüber ist?

Die meisten von uns haben erlebt, wie gesund man auch im Winter bleiben kann, wenn man nur einige wenige Maßnahmen berücksichtigt. Es macht Sinn, auch für die Zukunft so geradeaus zu denken und nicht quer. Mit diesen relativ einfachen Verhaltensregeln können wir präventiv viel bewirken und möglicherweise schwere Verläufe auch in Zukunft, z.B. bei Influenza, vermeiden. Hier werbe ich für mehr Selbstkontrolle, Achtsamkeit und Solidarität untereinander.

Prof. Christoph Benz - Präsident der Bundeszahnärztekammer

Ein Jahr Corona liegt hinter uns und es war auch für die Zahnarztpraxen und die Praxisteams ein schwieriges Jahr. Was sind aus Zahnarzt-Sicht die lessons learned?

Die HIV-Bedrohung der zweiten Hälfte der 80er-Jahre hat zu einer gezielten Ausrichtung unseres Hygienebewusstseins geführt. Wie vernünftig und wirksam das war, zeigt sich jetzt. Anders als in vielen anderen Gesundheitsbereichen konnte Corona bisher der Zahnmedizin nahezu nichts anhaben. Wenn wir etwas für die Zukunft lernen sollten, dann sind es diese zwei Punkte:
1. Wir sind die Hygiene-Experten im Umgang mit dem infektionsträchtigsten Bereich des menschlichen Körpers, dem Mund. In Zukunft dürfen wir hier selbstbewusster sein und unsere Kompetenz stärker in die laufenden Debatten einbringen.
2. Es gibt nur eine Zahnmedizin, keine notwendige und echte Zahnmedizin, die wir von irgendetwas anderem abgrenzen müssten. Auf zahnmedizinische Versorgung und Vorsorge kann und darf im Krisenfall nicht verzichtet werden. Die während der Corona gestiegene Sensibilität für eigene Vorbeugung und professionelle Unterstützung dabei müssen wir wachhalten.

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Der Zahn der Zeit

Pharaonen, Präsidenten, Zahnwürmer: Wenn man tief in der Geschichte der Zahnmedizin bohrt, kann man überraschende Details, unglaubliche Tatsachen sowie spannende und mitunter lehrreiche Geschichten entdecken.

Der Zahnwurm ist schuld

Tausende von Jahren bis ins 19. Jahrhundert hielt sich der Mythos, ein Zahnwurm sei die Ursache für Karies und Zahnschmerzen. Als böser Geist und Dämon ernähre er sich von Zahnblut oder trete in „verdorbenen“ Körpersäften wie dem Speichel aus. Die Wissenschaft zerstörte schließlich den Glauben an den Zahnwurm und fand bessere Antworten auf die Kariesfrage.

Die Kelten haben es vorgemacht

Nahe Paris, in Le Chêne, entdeckten Archäolog:innen ein 2.300 Jahre altes Keltengrab – und darin womöglich das früheste bekannte Zahnimplantat. Das im Grab liegende Frauenskelett hatte im Mund einen Eisenstift – offenbar der Zahnersatz für einen fehlenden Frontzahn im ansonsten vollständigen Gebiss. Ob das Implantat vor oder nach dem Tod eingesetzt wurde, war nicht mehr feststellbar. Nur 130 Kilometer weiter fand man in einem etwa 1.900 Jahre alten Grab einen jungen Kelten mit einem vergleichbaren Eisenimplantat, das fest in den Kieferknochen eingewachsen war. Damit ist sicher: Schon die Kelten kannten und nutzten festen Zahnersatz.

Von Stars und Steinchen

Nachdem sich Mick Jagger einen Rubin in seinen Schneidezahn einsetzen ließ, fragten ihn Freunde wiederholt, ob er an Zahnfleischbluten leide. Kurzerhand wurde der Rubin durch einen Smaragd getauscht. Doch jetzt wies man ihn dezent auf den Salat in seinen Zähnen hin. Der Smaragd wich schließlich einem farblich neutralen Diamanten – der nun im rechten Licht nur kurz aufblitzt.

Zähneputzen als Frauensache

Im Mittelalter wurde der Zahnschmerz als gottgewollte Prüfung angesehen. Griffen Männer zur Zahnbürste, galt das noch im 18. Jahrhundert als dekadent. Zähneputzen war bis zum 19. Jahrhundert reine Frauensache. Erst danach fand die Zahnhygiene ihren festen Platz in der Körperpflege beider Geschlechter.

Begründer der modernen Zahnmedizin

In Frankreich wurde Zahnmedizin schon im 17. Jahrhundert als gleichwertiges Gebiet der Chirurgie anerkannt. Pierre Fauchard (1678–1761) gilt als Urheber der modernen Zahnmedizin, seine Theorien waren in der Zahnheilkunde eine Innovation. Er lehnte den Aberglauben an den Zahnwurm ab und entwickelte neue Ansätze zur Zahnhygiene und für Behandlungsmethoden. Von ihm stammt auch die Idee, Zahnfehlstellungen durch fixierte Drähte zu richten: die Geburt der Zahnspange.

Erste Narkose

Die erste Äthernarkose wurde im Jahr 1846 in Boston durchgeführt. Für die Zahnmedizin war es ein großer Fortschritt, dass die Zahnärzt:innen endlich in Ruhe arbeiten konnten und die Patient:innen öfter freiwillig kamen.

Von Stars und Steinchen

Nachdem sich Mick Jagger einen Rubin in seinen Schneidezahn einsetzen ließ, fragten ihn Freunde wiederholt, ob er an Zahnfleischbluten leide. Kurzerhand wurde der Rubin durch einen Smaragd getauscht. Doch jetzt wies man ihn dezent auf den Salat in seinen Zähnen hin. Der Smaragd wich schließlich einem farblich neutralen Diamanten – der nun im rechten Licht nur kurz aufblitzt.

Totenkult als Geburtsstunde für Zahnersatz

Die Ägypter waren der heutigen westlichen Zivilisation weit voraus und es verwundert nicht, dass der erste genannte Zahnarzt von dort stammt. Auch der erste historisch nachgewiesene Zahnersatz wurde vor rund 4.500 Jahren im alten Ägypten hergestellt, allerdings nicht für die Münder der Lebenden, sondern für die der verstorbenen Pharaonen. Damit die mit lückenlosem Gebiss ihre Reise ins Totenreich antreten konnten, wurden eventuelle Zahnlücken vor der Beisetzung mit Zähnen lebender Spender:innen – meist Sklaven – versorgt.

Präsident mit Zahnproblemen

US-Präsident George Washington hatte zeitlebens große Zahnprobleme. Es gibt kein einziges Bild, das ihn lachend zeigt. Irgendwann hatte er nur noch einen Zahn im Mund sowie verschiedene Prothesen aus Elfenbein, Nilpferdstoßzahn, Zähnen von Rindern oder Pferden sowie Menschenzähnen. Für Portraitmalereien wurde sein Mund oft mit Taschentüchern ausgestopft, um eingefallenen Wangen und Lippen zu kaschieren.

Schwarze Zähne vom weißen Zucker

Mit den Kreuzfahrern kam im 12. Jahrhundert erstmals der Zucker aus dem Orient nach Europa und sorgte dafür, dass Karies erblühte. Da sich zunächst nur Wohlhabende das weiße Gold leisten konnten, grassierte unter ihnen bald die sogenannte Zahnfäule. Eine Weile galten schwarze statt weißer Zähne sogar als Statussymbol. Verarmte Adlige oder bankrotte Kaufleute färbten sich die Zähne, um zu verbergen, dass sie sich Zucker nicht mehr leisten konnten.

Der längste Zahn der Welt

Katharina die Große bevorzugte besonders leistungsfähige Männer. Da man damals glaubte, dass Männer mit langen Zähnen auch über die stärkste Manneskraft verfügten, wurde die Suche entsprechend eingegrenzt. Man fand den Bauern Grigorij, dessen Zähne 55 mm lang gewesen sein sollen. Man brachte ihn in die kaiserlichen Gemächer. Was dort geschah, ist ebenso wenig überliefert wie Grigorijs Verbleib.

Zahnersatz industriell gefertigt

Um 1820 herum entstand der erste Zahnersatz aus Porzellan, ab 1851 wurde auch Kautschuk verwendet. Damit entwickelten Zahntechniker und Zahnärzte erstmals bezahlbaren und passenden Zahnersatz, der nicht nur schön aussah, sondern auch dem Kauen standhielt. Weil die neuen Zahnersatzmaterialien mehr taugten, wurden menschliche Zähne als Ersatzmöglichkeit immer seltener und schließlich gar nicht mehr verwendet.

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Aus der Praxis

Hier finden Sie Wissenswertes aus der Praxis – vom Tag der Zahngesundheit über spannende Fakten aus dem Praxisalltag bis hin zum sozialen Engagement der Zahnärzteschaft.

Der Tag der Zahngesundheit ist immer am

25. September

„Gesund beginnt im Mund – Zündstoff“

Parodontitis ist ein komplexer Entzündungsprozess. Die Entzündung ist nicht nur begrenzt auf den Zahnknochen und die Zähne, sondern kann auch an anderen Geweben und Organen schwerwiegende Schäden auslösen. Dieses Jahr dreht sich am Tag der Zahngesundheit alles um die unterschätzte Volkskrankheit.

Die chronische Erkrankung des Zahnhalteapparates ist eine der häufigsten Erkrankungen und ab dem 45. Lebensjahr die häufigste Ursache für den Verlust von Zähnen. Parodontitis entwickelt sich meist schleichend und unbemerkt, ohne dass die Betroffenen die Symptome erkennen. Eine unbehandelte Parodontitis hat nicht nur Auswirkungen auf den Mundraum, sondern gilt auch als Risikofaktor für Diabetes Typ II und Herz-Kreislauferkrankungen. Was hilft, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt oder der Zahnärztin. Neben der Prophylaxe in der Zahnarztpraxis sind eine regelmäßige und gründliche Mundhygiene sowie ein gesunder Lebensstil die wichtigsten Faktoren, um Parodontitis vorzubeugen.

Hygiene kostet

rund 70.000 Euro

Hygiene kostet

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) haben Zahnarztpraxen schon vor Covid-19 rund 70.000 Euro für Hygienemaßnahmen jährlich pro Praxis ausgegeben – andere Ärzt:innen müssen weniger investieren. Seit 1996 sind bei Zahnärzt:innen die jährlichen Kosten von 28.000 Euro auf rund 65.000 Euro (2016) gestiegen. Mit der Corona-Krise und der erhöhten Nachfrage nach Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln haben sich die Ausgaben nun abermals erhöht, weil sich zum Beispiel die Preise für den Mund-Nasen-Schutz verdreifacht haben.

Immer mehr Zahnärztinnen

zwei von drei

Immer mehr Zahnärztinnen

Fast zwei von drei Absolventen des Zahnmedizinstudiums sind weiblich. Dies ergab eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2019. Zudem war der Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) für weibliche Ausbildungsanfängerinnen ohne deutsche Staatsbürgerschaft 2018 der beliebteste: 17,4 Prozent der jungen Frauen entschieden sich für diese Ausbildung.

Heilen und Helfen – Zahnärztinnen und Zahnärzte engagieren sich

Viele unserer Zahnärztinnen und Zahnärzte engagieren sich neben ihrer täglichen Arbeit in der Praxis ehrenamtlich für Kinder und Seniorinnen, Obdachlose und Drogenabhängige, Geflüchtete in Deutschland und Hilfsbedürftige im Ausland. Ob in lokalen Projekten oder international tätigen Organisationen – sie sind in über 70 Hilfsorganisationen und -projekten weltweit aktiv. Manche der Projekte unterstützen Menschen in schwierigen Lebenslagen, z.B. Patienten ohne Krankenversicherungsschutz. Andere Organisationen helfen bei akuten weltweiten Katastrophen und in der Aufbauhilfe in Krisenregionen.

Sicher ohne Versicherung – Das Hilfswerk Zahnmedizin Bayern

Mit Zahnschmerzen ab zum Zahnarzt? Für Menschen ohne Krankenversicherung ist das nicht ganz so einfach. Die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) hat deswegen 2011 das Hilfswerk Zahnmedizin Bayern (HZB) gegründet. Es gibt eine eigene Praxis, die in der sozialmedizinischen Anlaufstelle des Malteser Hilfsdienstes in München gelegen ist. Außerdem kümmert sich ein Netzwerk ehrenamtlicher Zahnärztinnen und Zahnärzte im ganzen Bundesland, um die zahnmedizinische Versorgung nichtversicherter Menschen in Bayern.

Zu den Patientinnen und Patienten zählen vor allem arme oder obdachlose Menschen, Migrantinnen und Migranten sowie Flüchtlingskinder. Das HZB ist stets darauf bedacht, Menschen ein sicheres Umfeld zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen können und arbeitet unbürokratisch und auf Wunsch auch anonym. Vor allem bei der Ankunft vieler Geflüchteter in Deutschland im Jahr 2015 konnten so viele Menschen zahnmedizinisch versorgt werden. Auch vorher wurde das Angebot regelmäßig in Anspruch genommen, lebten 2011 schon rund 137.000 Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland.

Dr. Martin Schubert, 1. Vorsitzender des Hilfswerks, und Zahnarzthelferin Petra Fichtner behandeln ehrenamtlich im Malteserhaus in München (2020) ©HZB



Seit der Gründung des Hilfswerks 2011 bis 2019 konnten allein in der Münchener Anlaufstelle rund 1.500 Patientinnen und Patienten zahnmedizinisch versorgt werden, denen eine Behandlung sonst möglicherweise verwehrt geblieben wäre. Das HZB stellt inzwischen einen unverzichtbaren Teil der medizinischen Grundversorgung in Bayern dar. Das Engagement blieb nicht unbemerkt und wurde daher im Oktober 2019 bei den Charity Awards von Springer Medizin mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.

Doch auch das HZB wurde von der Corona-Pandemie getroffen. So musste das HZB ihr Angebot im März 2020 für über einen Monat einstellen. Bereits im April jedoch wagten sie den Neustart und sorgen seitdem wieder für die Versorgung von Menschen mit zahnmedizinischen Behandlungen, die ihnen sonst nicht offen stünden.

Hilfswerk Zahnmedizin Bayern
https://www.hilfswerk-zahnmedizin-bayern.de/

#GesundAbMund: Dentists for Africa – Humanitäre Hilfe in Kenia

In Kenia kommen auf 47,5 Millionen Menschen gerade einmal 1.300 Zahnärztinnen und Zahnärzte, von denen 80 Prozent in den Städten und Ballungszentren tätig sind. Die Hilfsorganisation Dentists for Africa (DfA) hat deshalb 14 Zahnstationen errichtet, um auch die zahnmedizinische Versorgung in ländlichen Gebieten abzudecken. DfA engagiert sich seit über 20 Jahren in Kenia, um den Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung zu erleichtern. „Als humanitäre Hilfsorganisation unterstützen wir zahlreiche soziale und zahnärztliche Projekte vor Ort. Wichtig ist uns, dass wir nachhaltige Hilfe leisten, darum legen wir einen besonderen Wert auf zahnmedizinische Aus- und Weiterbildungen junger Kenianerinnen und Kenianer“, so Dr. Hans-Joachim Schinkel, 1. Vorsitzender von DfA.

In den 14 Stationen arbeiten Einheimische zusammen mit deutschen Studierenden sowie Zahnärztinnen und Zahnärzten. Neben den Zahnstationen gibt es auch mobile Einsätze, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt sowohl auf Prophylaxe-Behandlungen und der Aufklärung über Mundhygiene als auch zahnerhaltenden Maßnahmen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von DfA in Kenia liegt auf der Weiterbildung im zahnmedizinischen Bereich. Vor der Corona-Pandemie fanden regelmäßig zahnärztliche Seminare statt bei denen junge Absolventinnen und Absolventen aus dem Zahnarztprojekt von kenianischen und deutschen Zahnärztinnen und Zahnärzten geschult wurden (2015). ©Jan Bruns



Neben zahnmedizinischen Behandlungen unterstützt DfA Menschen, die mit HIV infiziert sind. Wegen der HIV-Epidemie in Kenia ist der Anteil an Witwen und Waisen in der Gesellschaft sehr hoch. Das DfA-Patenschaftsprojekt ermöglicht es, dass Waisenkinder zur Schule gehen und eine Berufsausbildung abschließen können. Durch die DfA-Witwenkooperation wird es Frauen ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Ihre Lebensumstände werden nachhaltig verbessert. Die Frauen sind nicht nur finanziell abgesichert, sondern erhalten auch eine Krankenversicherung für sich und ihre Familie, sodass die medizinische Versorgung sichergestellt werden kann“, so Katharina Weiland-Zejewski, die die Witwenkooperative für DfA von Deutschland aus leitet.

Und auch während der Corona-Krise hilft Dentists for Africa: Es werden Hygiene-Schulungen angeboten und über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt, die Zahnstationen mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln ausgestattet sowie Maßnahmen zur Ernährungssicherung ergriffen. Hierfür ist DfA auf Spenden angewiesen. Wann der nächste Einsatz vor Ort stattfinden kann, ist wegen der Reisebeschränkungen aktuell unklar.

Dentists for Africa
Kontakt: Johanna Wiest
www.dentists-for-africa.org

Heilen im Himalaya

Zahnärztliche Versorgung auf 4.000 bis 5.000 Metern Höhe – Teams rund um Zahnarzt Maik Wieczorrek reisen regelmäßig nach Westindien in das Himalaya Gebirge, um die Bewohnerinnen und Bewohner der Region Ladakh zu versorgen. Das Besondere: Es wird ganz eng mit den einheimischen Helfern und Naturärzten – den Amchis – zusammengearbeitet. Amchis sind Ärztinnen und Ärzte, die nach der traditionellen tibetischen Medizinlehre arbeiten, eng verbunden mit der buddhistischen Religion und statt gängiger Medikamente kommen häufig Kräuter, Wurzeln und Mineralien zum Einsatz.

Doch im Bereich der Zahnmedizin hören die Naturheilanwendungen meist auf. Deshalb ist es das oberste Ziel des Vereins Ladakhpartners Local Doctors e.V. Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Zahnbehandlungen werden gemeinsam mit den Amchis durchgeführt, sodass sie ihre Fertigkeiten vertiefen können. „Natürlich leisten wir direkte zahnmedizinische Hilfe vor Ort, aber das ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit. Viel wichtiger für uns, ist die Zusammenarbeit mit den Amchis, denn sie sind immer da und nicht wie wir – nur ein Bruchteil des Jahres“, so Wieczorrek.

Behandeln in 4.000 Metern Höhe: Maik Wieczorrek mit Amchi Tsering Dorjay (2012) ©Ladakhpartners



2004 hat Maik Wieczorrek das Projekt ins Leben gerufen. In der fast vegetationslosen Wüstensteppe wird es im Winter oft minus 30 Grad kalt, während die Temperaturen im Sommer auf bis zu 40 Grad steigen. Der Aufstieg in viele der Dörfer ist mit langen Wanderungen verbunden, sämtliches Gepäck inklusive des Behandlungsmaterials und der Medikamente werden mit Hilfe von Pferden und Eseln transportiert. Maik Wieczorrek über die Einsätze vor Ort: „Wichtig ist uns, dass wir uns auf Augenhöhe mit den Einheimischen treffen und das nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Ich habe in den vergangenen Jahren vor Ort immer nachgefragt, ob das, was wir tun, sinnvoll für die Menschen dort ist und auch, wie es weiter gehen soll.“

Auch die Projektarbeit in Ladakh ist schwer von der Pandemie betroffen und die Hilfseinsätze vor Ort fallen auf Grund des Einreiseverbots aus. Das Projekt ist glücklicherweise so ausgelegt, dass die Einheimischen den Großteil der Arbeit selbst übernehmen können und der Kontakt über Telefon und Internet bestehen bleibt, doch es mangelt an Medikamenten und Ersatzteilen – nur durch Spenden kann die Hilfe weiter sichergestellt werden. Der nächste Einsatz des Vereins vor Ort, wird wohl noch etwas auf sich warten müssen.

Ladakhpartners-Partnership Local Doctors e.V.
Kontakt: Maik Wieczorrek
https://ladakhpartners.de

Gesund ab Mund in die Offensive

Bundeszahnärztekammer startet bundesweite Kommunikationsoffensive

Die Corona-Krise hat Patient:innen stark verunsichert. Sollte man die Zahnarztpraxis nur in dringenden Fällen aufsuchen? Ist ein Vorsorgetermin jetzt notwendig? Steigt beim Zahnarztbesuch nicht die Gefahr einer Infektion? Auf diese und viele andere Fragen möchten und müssen wir als Bundeszahnärztekammer reagieren.
Ein Besuch beim Zahnarzt oder der Zahnärztin ist aufgrund der schon vor Corona strengen Hygienevorschriften in Zahnarztpraxen so sicher wie eh und je.
Und er bleibt so notwendig und sinnvoll wie vor der Corona-Krise. Denn Erkrankungen im Mundraum müssen so schnell wie möglich erkannt und behandelt werden. Oft geht es dabei nicht nur um die Zähne und die Gesundheit im Mundraum.

Mundgesundheit ist Lebensqualität

Mundgesundheit ist wichtig für unser Wohlbefinden und das beschränkt sich nicht auf den Mundraum. Sie stärkt auch das Immunsystem und kann unter anderem Herzkreislauf-, Nieren- und Lungenerkrankungen oder auch Diabetes vorbeugen. Viele Menschen wissen das nicht. Und genau das und noch einiges mehr wollen wir mit der aktuell gestarteten Kommunikationsoffensive ändern. Die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Bevölkerung in Sachen Gesundheitsschutz transparent und umfassend aufzuklären und gesellschaftliche Debatten mitzugestalten.

Verständlich, überraschend, digital

Unter dem Motto #GesundAbMund – Mit Ihren Zahnärzten rücken wir das Thema Prävention ebenso in den Fokus wie die Rolle der Zahnarztpraxen als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor.
Wie genau? Indem wir verständlich und eingängig kommunizieren, mit oft unbekannten Fakten überraschen und einen Blick in den Alltag der Praxen ermöglichen.

Hygiene first

Den Auftakt der bis 2022 angelegten Kommunikationsoffensive #GesundAbMund bildet aus gegebenem Anlass das Thema Hygiene. Denn hier besteht Aufklärungsbedarf. Schon vor dem Corona-Ausbruch haben Zahnarztpraxen laut einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte durchschnittlich rund 70.000 Euro pro Jahr in die Hygiene investiert – deutlich mehr als andere Ärzt:innen. Zahnärzt:innen tragen seit Jahren Schutzmasken und haben schon lange standardmäßige Hygienevorschriften, die denen während einer Pandemie stark ähneln. Wer sich über effektive Hygienemaßnahmen und Erfahrungen aus der Praxis informieren möchte, der ist bei den Zahnärzt:innen an der ersten und richtigen Adresse.

Partner und Ratgeber

Die Corona-Krise bleibt herausfordernd, auch für die über 70.000 Zahnmediziner:innen, eine der größten Arztgruppen in Deutschland. Die Kommunikationsoffensive #GesundAbMund unterstreicht, dass Zahnärzt:innen auch in der Corona-Krise verlässliche Partner:innen der Patient:innen und der Politik sind, wenn es darum geht, kluge Lösungen zu entwickeln, um gut durch die Krise zu kommen. „Die Corona-Krise wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Die Zahnarztpraxen sind und bleiben ein sicherer Ort für die Patient:innen, dafür sorgen die Zahnärzt:innen und ihr qualifiziertes Personal. Und mit ihrem Praxiswissen stehen sie und ihre Standesvertreter:innen auch als Partner:innen und Ratgeber:innen für die Politik bereit, die in dieser Krise oft weitreichende Entscheidungen von großer gesundheitspolitischer Bedeutung treffen muss. Die Kommunikationsoffensive soll dazu wirkungsvolle Impulse geben“, erklärt Dr. Peter Engel, ehemaliger Präsident der Bundeszahnärztekammer.

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